Sendezeiten

Während der Nach­wuchs auf der Baby­wa­gen­fahrt zur Krabbel­gruppe friedlich den Mor­gen ver­schlum­mert, vertreibe ich mir gerne die Spatzierzeit mit Hör­buch­ern. Derzeit lausche ich dem neuesten Houelle­becq. Beson­ders genieße ich den fast unmöglichen All­t­agsquan­ten­sprungsp­a­gat, wenn ich vor Ort angekom­men die Kopfhör­er abset­ze und vom erzählten Aufeinan­dertr­e­f­fen von safti­gen Mösen und glänzend geleck­ten Prügelschwänzen auf das Intonieren von Mein Dack­el Walde­mar und ich in Mit­ten beschwingter Neu­mamis umzuswitschen habe. So einen Turn gibt es im Fernse­hen gar nicht: Das Eine läuft zu max­i­mal ent­ge­genge­set­zten Sendezeit­en des Anderen.
Gekrönt wurde das Ganze, als ich heute auf der Rück­fahrt von einem Her­rn ange­sprochen wurde, der mich in der Alt­stadt mit dem Fin­gerzeig auf ein Obdachlosen­nachtquarti­er darauf hin­wies, dass er immer trau­rig werde, wenn er so etwas sähe. Also, weil ein so reich­es Land wie Deutsch­land sich sowas nicht geben müsste. Es müssten nur alle dran arbeit­en. Er selb­st habe den Weg in die Selb­ständigkeit gewählt, weil man mit einem Chef vor der Nase aus dem Ham­sterkä­fig nicht rauskomme. Dabei sei das Escapen ganz sim­pel, er würde das jedem empfehlen, man müsse nur, aber er wolle mich nicht aufhal­ten und sei auch selb­st ger­ade auf dem Sprung zu einem Ter­min­meet­ing. Weg war er.
Und da habe ich mir gedacht: Das pro­bierst du auch mal aus! Ein­fach mal Jung-Deutsch­land in der Fußgänger­zone die Ohren­deck­el von der Rübe hauen und sagen:

Also das mit den Waf­fen­schiebereien und dem Hunger auf der Welt, wo let­zten Endes alle bei drauf gehen, das müsste sich diese Welt doch eigentlich nicht geben. Ich habe da ein Glob­al­isierungs­frieden­skonzept, für sowas inter­essiere die Jugend sich doch? Eigentlich ganz ein­fach, es muss nur jed­er ein Mal in der Woche JA SCHEISSE DA KOMMT MEINE BAHN!

Dann heftig tram­pel­nd Reisaus nehmen und einem nicht sicht­bahren Gefährt hin­ter­her jagen.

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Guten Morgen

Gestern hat die EU auf Druck der Ver­leger eine Reform des Urhe­ber­rechts in der EU durchgewunken, die vor­sieht, dass z.B. Such­maschi­nen keine Anreißer­texte oder Zitate von Über­schriften ohne Lizenz mehr ver­wen­den dür­fen. Da feiern wohl die Ver­leger, wenn sie kurz ihren Blick auf ihre niederge­hen­den Abozahlen abwen­den, und man darf rät­seln, wann sie wieder anfan­gen zu jaulen, wenn sie merken, dass jet­zt weniger Leute ihre Seit­en besuchen, weil sie weniger in Such­maschi­nen vorkom­men. Die CDU hat der­weil wieder unter­strichen, dass sie im Kern eine kap­i­tal­is­tis­che Partei ist, deren Stoßrich­tun­gen Lob­by­is­ten dik­tieren.

Udo Stiehl wun­dert sich, wie ein Begriff wie das kramp­kar­ren­bauer­sche Früh­warn­sys­tem in Bezug auf Flüchtlinge so ein­fach in jour­nal­is­tis­che Texte gelan­gen kon­nte.

Ich kenne keine Net­zsendun­gen der Öff­is mehr, ich kenne auch keine Jugendlichen, die das hören, aber beim WDR trauert der eine oder andere diesen hin­ter­her.

Und während ich mir die Frage stelle: Wie ist die Gefühlslage eigentlich bei der CDU, wenn nach dem ersehn­ten Merke­lende die Nach-Kramp-Kar­ren­bauer-Zeit erwartet wird? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

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Guten Morgen

Lässt There­sa May das Vere­inigte Kön­i­gre­ich von Großbri­tan­nien über den Deis­ter gehen? Die span­nend­ste europa­poli­tis­che Frage derzeit.

Apple macht den Ver­legern ger­ade ein Ange­bot, von dem die Ver­leger auch nur hof­fen kön­nen, dass es gegen die Wand fährt: Ein Zeitungskom­plett-Abo durch eine Apple-App, bei dem Apple die Hälfte der Ein­nah­men behält.

Drikkes wun­dert sich, wie und wozu Spo­ti­fy Pod­casts auf­saugt.

Und während ich mir die Frage stelle: Wie viele Zeitun­gen sollte wohl Otto Nor­malver­brauch­er so lesen? hole ich mir erst­mal noch einen Kaf­fee.

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